EORI-Nummer und Zollnummer: Was ist der Unterschied?
Die alte deutsche Zollnummer ging 2009 in der EORI-Nummer auf. Was die Begriffe heute bedeuten.
Wer zum ersten Mal Waren aus einem Drittland importiert oder exportiert, stolpert schnell über verschiedene Begriffe: Zollnummer, EORI-Nummer, Steuernummer und USt-IdNr. Im Alltag werden sie oft durcheinandergeworfen – vor allem, weil viele Unternehmer noch von der „Zollnummer" sprechen, obwohl es diese in ihrer alten Form seit 2009 nicht mehr gibt. In diesem Artikel entwirren wir die Begriffe und zeigen, welche Nummer der Zoll in welcher Situation wirklich meint.
Die kurze Antwort vorweg
Die frühere deutsche Zollnummer wurde 2009 EU-weit durch die EORI-Nummer abgelöst. Wenn heute jemand nach der „Zollnummer" fragt, meint er in der Regel die EORI-Nummer. Die Steuernummer und die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr) sind dagegen etwas völlig anderes – sie stammen aus dem Steuerbereich und dürfen nicht mit der EORI-Nummer verwechselt werden.
Was war die Zollnummer?
Vor 2009 vergab die deutsche Zollverwaltung eine eigene, national gültige Zollnummer an Unternehmen, die am Warenverkehr mit Drittländern teilnahmen. Sie diente dazu, den Wirtschaftsbeteiligten in Zollverfahren eindeutig zu identifizieren – etwa bei der Einfuhr, Ausfuhr oder im Versandverfahren.
Das Problem: Jeder EU-Mitgliedstaat hatte sein eigenes System. Für den grenzüberschreitenden Handel innerhalb der EU war das unpraktisch. Deshalb führte die EU 2009 ein einheitliches System ein.
Die Ablösung durch die EORI-Nummer 2009
Seit dem 1. Juli 2009 gilt EU-weit die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification). Sie ersetzt die alte nationale Zollnummer und ist in allen Mitgliedstaaten gültig. Ein Unternehmen benötigt also nur noch eine einzige Nummer, um in der gesamten EU am Zollverkehr teilzunehmen.
In Deutschland wurde die vorhandene Zollnummer damals in vielen Fällen automatisch in eine EORI-Nummer überführt. Wer nach 2009 neu am Warenverkehr teilnimmt, muss die EORI-Nummer beim Zoll beantragen. Wenn Sie mehr über Aufbau und Zweck wissen möchten, lesen Sie unseren Grundlagenartikel Was ist die EORI-Nummer?
Warum sagen viele immer noch „Zollnummer"?
Alte Gewohnheiten halten sich hartnäckig. Speditionen, Kunden und selbst manche Behördenmitarbeiter verwenden den Begriff „Zollnummer" bis heute – gemeint ist dann fast immer die EORI-Nummer. Missverständnisse entstehen selten, weil beide Begriffe faktisch denselben Zweck erfüllen.
EORI-Nummer vs. Steuernummer vs. USt-IdNr
Hier liegt die eigentliche Verwechslungsgefahr. Diese drei Nummern haben unterschiedliche Aufgaben und werden von unterschiedlichen Stellen vergeben:
| Nummer | Zweck | Vergeben von | Format (DE) |
|---|---|---|---|
| EORI-Nummer | Identifikation im Zollverkehr (Import/Export mit Drittländern) | Generalzolldirektion (Deutschland) | DE + bis zu 15 Zeichen, z. B. DE1234567890123 |
| USt-IdNr | Innergemeinschaftlicher Handel innerhalb der EU (Umsatzsteuer) | Bundeszentralamt für Steuern | DE + 9 Ziffern, z. B. DE123456789 |
| Steuernummer | Nationale steuerliche Registrierung beim Finanzamt | Zuständiges Finanzamt | meist 10–11 Ziffern, je nach Bundesland |
Wichtig: Die EORI-Nummer beginnt zwar wie die USt-IdNr mit dem Länderkürzel „DE", ist aber eine eigenständige Nummer. Sie ist kein Ersatz für die Steuernummer und umgekehrt.
Wann fragt der Zoll welche Nummer ab?
Je nach Vorgang verlangt der Zoll oder das Finanzamt eine andere Nummer. Diese Übersicht hilft bei der Zuordnung:
- Einfuhr aus einem Drittland (z. B. China, USA, UK, Schweiz): Hier braucht der Zoll die EORI-Nummer. Sie wird in der Zollanmeldung angegeben.
- Ausfuhr in ein Drittland: Auch hier ist die EORI-Nummer Pflicht, damit der Ausführer eindeutig identifiziert wird.
- Einfuhrumsatzsteuer: Für die steuerliche Behandlung der Einfuhr ist die Steuernummer bzw. USt-IdNr relevant, insbesondere beim Vorsteuerabzug.
- Warenlieferungen innerhalb der EU: Hier gibt es keine Zollabfertigung. Stattdessen wird die USt-IdNr für die umsatzsteuerliche Abwicklung genutzt.
Kurz gesagt: Sobald eine Zollgrenze überschritten wird, kommt die EORI-Nummer ins Spiel. Geht es rein um Steuern, sind USt-IdNr oder Steuernummer gefragt.
Brauche ich als Unternehmen alle drei Nummern?
Das hängt von Ihrer Tätigkeit ab:
- Rein national tätiges Unternehmen ohne Außenhandel: Steuernummer genügt in der Regel.
- Handel innerhalb der EU: Zusätzlich USt-IdNr für den innergemeinschaftlichen Warenverkehr.
- Import/Export mit Drittländern: Zusätzlich die EORI-Nummer.
Viele Online-Händler benötigen mit der Zeit alle drei, weil sie sowohl EU-weit als auch mit Ländern außerhalb der EU handeln. Auch Privatpersonen können in bestimmten Fällen eine EORI-Nummer benötigen, etwa bei regelmäßigen hochwertigen Einfuhren.
Besonderheiten in Österreich und der Schweiz
Das EORI-System gilt in der gesamten EU – die Regeln in Österreich entsprechen dem deutschen Prinzip, nur die zuständige Behörde ist eine andere. Die Schweiz ist dagegen kein EU-Mitglied und nutzt ein eigenes System; Schweizer Unternehmen benötigen für den Handel mit der EU jedoch häufig eine EU-EORI-Nummer.
Nächster Schritt: Prüfen und beantragen
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre alte Zollnummer noch gültig ist oder bereits in eine EORI-Nummer überführt wurde, prüfen Sie das am besten direkt. Nutzen Sie dazu unseren EORI-Validator. Haben Sie noch keine Nummer, finden Sie im Ratgeber EORI-Nummer beantragen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Weitere Grundlagen und alle wichtigen Themen bündelt unser EORI-Hauptratgeber.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Zollnummer dasselbe wie die EORI-Nummer?
Faktisch ja. Die alte deutsche Zollnummer wurde 2009 EU-weit durch die EORI-Nummer ersetzt. Wenn heute jemand nach der Zollnummer fragt, ist damit fast immer die EORI-Nummer gemeint.
Was ist der Unterschied zwischen EORI-Nummer und USt-IdNr?
Die EORI-Nummer dient der Identifikation im Zollverkehr mit Drittländern und wird von der Zollverwaltung vergeben. Die USt-IdNr betrifft den innergemeinschaftlichen Handel innerhalb der EU und wird vom Bundeszentralamt für Steuern erteilt. Beide beginnen mit DE, sind aber eigenständige Nummern.
Brauche ich eine EORI-Nummer, wenn ich nur innerhalb der EU handle?
Nein. Für reinen Warenverkehr innerhalb der EU gibt es keine Zollabfertigung, hier ist die USt-IdNr relevant. Eine EORI-Nummer benötigen Sie erst beim Import oder Export mit Ländern außerhalb der EU.
Ist meine alte Zollnummer noch gültig?
In vielen Fällen wurde die alte Zollnummer 2009 automatisch in eine EORI-Nummer überführt. Ob Ihre Nummer noch aktiv ist, können Sie mit einem EORI-Validator prüfen.
Welche Nummer verlangt der Zoll bei der Einfuhr?
Bei der Einfuhr aus einem Drittland gibt der Zoll die EORI-Nummer in der Zollanmeldung an. Für die Einfuhrumsatzsteuer und den Vorsteuerabzug sind zusätzlich Steuernummer beziehungsweise USt-IdNr relevant.
Ersetzt die EORI-Nummer meine Steuernummer?
Nein. Die EORI-Nummer ist ausschließlich für Zollverfahren gedacht und ersetzt weder die Steuernummer noch die USt-IdNr. Je nach Tätigkeit benötigen Unternehmen mehrere dieser Nummern parallel.
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