EORI-Nummer für Amazon FBA: Das müssen Händler wissen
Import aus China, Pan-EU-Versand, Umlagerungen: Wann FBA-Händler eine EORI-Nummer brauchen und wie sie sie nutzen.
Wer bei Amazon FBA verkauft, importiert früher oder später Ware – meist aus China – in ein EU-Lager. Sobald diese Sendung eine Zollgrenze passiert, braucht es eine EORI-Nummer. Ohne sie kann die Einfuhr nicht ordnungsgemäß deklariert werden, und Ihre Ware bleibt im schlimmsten Fall am Zoll hängen. Dieser Ratgeber erklärt, wann Amazon-Händler eine EORI-Nummer brauchen, wie sie im Zollverfahren genutzt wird und wo die typischen Fallstricke bei Pan-EU, UK und IOSS liegen.
Warum FBA-Händler eine EORI-Nummer brauchen
Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification) ist die eindeutige Kennung, mit der der Zoll Unternehmen im Warenverkehr identifiziert. Jede gewerbliche Einfuhr in die EU muss auf einen Importeur mit EORI-Nummer registriert sein. Wenn Sie Bestand aus einem Drittland – klassischerweise China – in ein Amazon-Lager in Deutschland, Polen oder Tschechien einführen, treten Sie als Importeur auf und benötigen zwingend eine EORI-Nummer.
Amazon selbst ist nicht Ihr Importeur. FBA bedeutet nur, dass Amazon Ihre Ware lagert und versendet – die zollrechtliche Verantwortung für die Einfuhr liegt bei Ihnen als Händler. Wer glaubt, Amazon regle den Import mit, erlebt oft eine böse Überraschung, wenn die Spedition nach der EORI-Nummer fragt.
Was die EORI-Nummer genau ist und wie sie aufgebaut ist, erklären wir ausführlich im Beitrag Was ist die EORI-Nummer?.
So wird die EORI-Nummer beim FBA-Import genutzt
In der Praxis läuft der Import fast immer über einen Spediteur oder Zollagenten (Freight Forwarder). Dieser erstellt die Einfuhrzollanmeldung in Ihrem Namen. Dafür braucht er:
- Ihre EORI-Nummer als Importeur
- Handelsrechnung und Packliste
- Die passenden Zolltarifnummern (HS-Codes) der Ware
- Angaben zum Warenwert für Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
Die EORI-Nummer verknüpft die Zollanmeldung mit Ihrem Unternehmen. Über sie werden Zölle und Einfuhrumsatzsteuer verbucht. Fehlt die Nummer, kann der Spediteur die Anmeldung nicht abschließen – die Sendung wartet dann kostenpflichtig im Zolllager.
Direkte vs. indirekte Vertretung
Achten Sie darauf, ob Ihr Dienstleister in direkter oder indirekter Vertretung anmeldet. Bei indirekter Vertretung haftet der Vertreter mit – viele Speditionen verlangen dann höhere Sicherheiten. Als in der EU ansässiges Unternehmen mit eigener EORI-Nummer können Sie meist die günstigere direkte Vertretung nutzen.
Eine EORI-Nummer reicht für die gesamte EU
Ein zentraler Punkt, der viele Händler verwirrt: Sie brauchen nur eine einzige EORI-Nummer für die gesamte EU. Sie wird in Ihrem Sitzland beantragt (in Deutschland beim Zoll, in Österreich über das Unternehmensserviceportal) und gilt EU-weit.
Das ist besonders bei Pan-EU FBA relevant. Bei Pan-EU verteilt Amazon Ihre Ware automatisch auf Lager in mehreren Ländern. Für die Zollabwicklung beim Import ändert das nichts: Ihre eine EORI-Nummer deckt Einfuhren in allen EU-Mitgliedstaaten ab.
| Szenario | Benötigte EORI-Nummer |
|---|---|
| Import in ein EU-Lager (z. B. Deutschland) | Eine EU-EORI-Nummer |
| Pan-EU FBA in mehreren EU-Ländern | Dieselbe EU-EORI-Nummer |
| Verkauf über Amazon.co.uk / Lager in UK | Zusätzlich eine GB-EORI-Nummer |
| Sitz in der Schweiz, Import in die EU | EU-EORI im Einfuhrland |
Pan-EU: Umlagerungen sind meist kein neuer Import
Wenn Amazon Ware zwischen zwei EU-Lagern verschiebt (etwa von Deutschland nach Polen), handelt es sich um einen innergemeinschaftlichen Warenverkehr, nicht um einen neuen Zollimport. Hier fällt keine erneute Einfuhrabwicklung an – wohl aber umsatzsteuerliche Meldepflichten. Für diese Umlagerungen brauchen Sie in der Regel USt-IdNr.-Registrierungen in den betroffenen Ländern, aber keine weitere EORI-Nummer.
UK: Eine separate GB-EORI-Nummer
Seit dem Brexit ist das Vereinigte Königreich zollrechtlich ein Drittland. Ihre EU-EORI-Nummer gilt dort nicht. Wer Ware in ein britisches Amazon-Lager importiert oder über Amazon.co.uk verkauft, benötigt zusätzlich eine GB-EORI-Nummer (beginnt mit „GB“).
In der Praxis bedeutet das für viele Händler: eine EORI-Nummer für die EU und eine separate für UK. Details zur britischen Nummer finden Sie in unserem Leitfaden zur UK EORI number.
EORI ist nicht IOSS – der häufigste Denkfehler
Sehr viele FBA-Händler verwechseln EORI und IOSS. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge für zwei verschiedene Warenströme:
| Merkmal | EORI-Nummer | IOSS |
|---|---|---|
| Zweck | Identifikation im Zollverfahren beim Import | Vereinfachte Einfuhrumsatzsteuer bei Kleinsendungen an Endkunden |
| Wann relevant | Bulk-Import Ihres FBA-Bestands ins EU-Lager | Direktversand an Kunden bis 150 € Warenwert |
| Wer nutzt es | Jeder gewerbliche Importeur | Fernverkäufer aus Drittländern an EU-Verbraucher |
Für das klassische FBA-Modell – Sie schicken eine große Palette Ware aus China in ein Amazon-Lager – ist die EORI-Nummer das entscheidende Dokument. IOSS betrifft eher den direkten grenzüberschreitenden Kleinsendungsversand an Endkunden. Beim FBA-Import verkaufen Sie später aus dem EU-Lager heraus, sodass IOSS für diesen Warenstrom in der Regel nicht greift.
Was Sie vor dem ersten Import erledigen sollten
- EORI-Nummer beantragen – im Land Ihres Unternehmenssitzes. Die Beantragung ist kostenlos und dauert je nach Land wenige Tage.
- USt-Registrierungen prüfen – besonders bei Pan-EU brauchen Sie in mehreren Ländern eine USt-IdNr.
- HS-Codes klären – falsche Tarifnummern führen zu falschen Zollsätzen und Verzögerungen.
- Spediteur briefen – geben Sie EORI-Nummer, Rechnung und Vertretungsart rechtzeitig weiter.
- GB-EORI ergänzen – falls Sie auch nach UK verkaufen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie bereits eine Nummer haben, hilft unser Beitrag EORI-Nummer herausfinden – Sie können eine bestehende Nummer außerdem im EORI-Validator prüfen.
Nächster Schritt
Bevor Ihre erste FBA-Lieferung aus China unterwegs ist, sollte die EORI-Nummer vorliegen. Sie ist die Grundvoraussetzung für jede Einfuhrabwicklung und kostet nichts in der Beantragung. Starten Sie am besten jetzt und lesen Sie unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung, um Ihre EORI-Nummer zu beantragen. So vermeiden Sie teure Standzeiten am Zoll und starten mit FBA reibungslos durch.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich als Amazon-FBA-Händler zwingend eine EORI-Nummer?
Ja. Sobald Sie Ware aus einem Drittland wie China in ein EU-Amazon-Lager importieren, treten Sie als Importeur auf und benötigen eine EORI-Nummer für die Zollanmeldung. Ohne sie kann die Einfuhr nicht abgewickelt werden.
Regelt Amazon den Import und die EORI-Nummer für mich?
Nein. Amazon lagert und versendet Ihre Ware nur, ist aber nicht Ihr Importeur. Die zollrechtliche Verantwortung inklusive EORI-Nummer liegt bei Ihnen als Händler.
Brauche ich für Pan-EU FBA mehrere EORI-Nummern?
Nein. Eine einzige EU-EORI-Nummer aus Ihrem Sitzland gilt EU-weit und deckt Einfuhren in allen Mitgliedstaaten ab. Umlagerungen zwischen EU-Lagern sind kein neuer Zollimport, erfordern aber oft USt-Registrierungen.
Gilt meine EU-EORI-Nummer auch für Amazon UK?
Nein. Seit dem Brexit ist das Vereinigte Königreich ein Drittland. Für Importe nach UK oder Verkäufe über Amazon.co.uk brauchen Sie zusätzlich eine separate GB-EORI-Nummer.
Was ist der Unterschied zwischen EORI und IOSS?
Die EORI-Nummer identifiziert Sie im Zollverfahren beim Import Ihres FBA-Bestands. IOSS ist ein Verfahren für die vereinfachte Einfuhrumsatzsteuer bei Kleinsendungen bis 150 € im Direktversand an Endkunden – für klassische FBA-Bulk-Importe ist die EORI-Nummer entscheidend.
Was kostet die Beantragung einer EORI-Nummer?
Die Beantragung der EORI-Nummer ist kostenlos. Sie erfolgt im Land Ihres Unternehmenssitzes und dauert je nach Land meist nur wenige Tage.
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